Das Seekadettenmatt

Das Seekadettenmatt
Aufs Brett gebracht hat es zuerst ein Lehrer des legendären Philidor namens Francoise Antoine de Legall. Doch viele andere nach ihm durften in die verdutzten Gesichter ihrer Gegner blicken, wenn sie diese wunderbare Kombination aufs Brett zauberten. Den Namen erhielt das Matt übrigens vom der Operette "Der Seekadett" von Richard Genée, in der diese Partie 1876 in einer Lebendschach-Version aufgeführt wurde.
Legall.gif
1. e4 e5
2. Sf3 d6
3. Lc4 Lg4
4. Sc3 g6? (und Weiss kommt mit gestreckten Hörnern...)
5. Sxe5 Lxd8 ("Muahahaha!!!", denkt sich Schwarz und schnappt sich die Dame, währenddem ihm Weiss matt in zwei verkündet.)
6. Lxf7+ Ke7
7. Sd5#
1-0

Die Ponziani-Falle

Die Ponziani-Falle
Nie richtig widerlegt und doch fast vergessen. Die Ponziani-Eröffnung zählt als richtige Geheimwaffe und wurde jüngst sogar von Weltmeister Magnus Carlsen aus der Versenkung geholt. Wie schnell es für Schwarz schiefgehen kann, zeigt diese hübsche Miniatur; der Namensgeber fühert die weissen Steine gegen den berüchtigten (aber erfolglosen) N.N.
1.e4 e5
2.Sf3 Sc6
3.c3 Sf6
4.d4 Sxe4
5.d5 Se7
6.Sxe5 Sg6
7.Ld3 Sxf2 (Ein Desperado-Motiv, das einen Bauer gewinnt für Schwarz, oder?)
8.Lxg6 Sxd1
9.Lxf7+ Ke7
10.Lg5+ Kd6
11.Sc4+ Kc5
12.Sba3 Dxg5
13. b4#
​1-0

Budapester Fesselspiele

Was man im Budapester Gambit kennen sollte
Das freche Budapester Gambit ist ist wohl eine der direktesten Varianten, um in taktisches Getümmel einzudringen. Von dieser sehr fallenreichen Eröffnung wurde hier das wichtigste Motiv ausgewählt.

Budapester.gif
1. d4 Sf6
2. c4 e5
3. dxe5 Sg4
4. Sf3 Sc6
5. Lf4 Lb4+
6. Sd2 (Sc3 wäre besser) De7
7. a3 Scxe5 
8. axb4? Sd3#
0-1

Die Lasker-Falle

Albins Gegengambit – die Lasker-Falle
Diese abenteuerliche Schwarz-Eröffnung ist noch heute eine beliebte Waffe gegen die sonst eher ruhigen Damenbauernspiele. Eine Unkenntnis der wichtigsten Motive kann für den Schwarzen schnell gefährlich werden. 
Lasker.gif
1. d4 d5
2. c4 e5
3. dxe5 d4
4. e3? (ein früher Fehler...) Lb4+
5. Ld2 dxe3
6. Lxb4 (...und der zweite folgt sogleich) exf2+
7. Ke2 (auf 7. Kxf2 fällt die weisse Dame) fxg1=S+
8. Rxg1 (leicht besser wäre 8. Kg1, aber auch dies verliert nach z. B. 8...Dh4 klar) 9. Lg4+
0-1

Ponziani zum zweiten

Chigorin–Gossip
Schöne Anekdote: Der russiche Schachmeister Mikhial Chigorin spielte 1891 zwei Fernpartien per Telegraph mit dem in den Vereinigen Staaten wohnhaften Wilhelm Stenitz, um gewisse Eröffnungsdifferenzen zu beseitigen. Chigroin konnte beide Partien für sich entscheiden, wobei anzumerken ist, dass der arme Steinitz von den Amerikanern als Spion verdächtigt wurde, weil die Behörden seine in der algebraischen Schachnotation übermittelten Züge für einen geheimen russischen Code hielten. Aber auch ohne amerikanische "Hilfe" zeigt Chigorin hier gegen den Engländer George Gossip, dass er sich in Eröffnungen bestens auskennt. 
Ponziani2.gif
1. e4 e5
2. Sf3 Sc6
3. c3 d5 (3...Sf6 ist die sicherere Variante für Schwarz.)
4. Da4 f6
5. Lb5 Se7
6. exd5 Dxd5
7. 0-0 Lb7? (7.d4! ist die Hauptvariante, 7...e4! 8. Se1 Lf5 9. f3 führt zum Ausgleich)
8. d4 e4
9. Sfd2 Sg6? (9...f5! oder 9...0-0-0 hätte noch Gegenwehr entwickelt)
10. Lc4 Da5
11. Db3 f5? (11...0-0-0! war notwendig)
12. Lf7+ Ke7? (12...Kd8 wäre erzwungen gewesen)
13. Sc4! (leitet den Mattangriff endgültig ein) Da6
14. Lg5+! Kxf7
15. Sd6# 1-0

Bellissimo contre Pianissimo

Pianissimo–Aljechin
Alexander Aljechin, der Angstgegner vieler Zeitgenossen, zeigte auch in Blindsimultanspielen ein hervorragendes Stellungsgefühl. Diese Miniatur erregte viele Gemüter, der Autor dieser Zeilen zum Beispiel gebraucht die selben Motive in einer Variante der Französischen Verteidigung. Die hier gespielte Eröffnung wird als Semi-Italienisch oder auch "Giuoco Pianissimo" bezeichnet. Der Name dürfte wohl u. a. auf den Führer der weissen Steine zurückzuführen sein.
Aljechin.gif
1. e4 e5
2. Sf3 Sc6
3. Lc4 d6 (Für mich die einzig sinnvolle Art, mit Schwarz in einen Philidor – oder eben Semi-Italienisch – umzuleiten.)
4. c3 Lg4 (In vielen offenen Spielen ein Fehler, hier leitet er eine freche Falle ein.)
5. Db3 (mit Doppelangriff auf f7 und b7) Dd7
6. Sg5 Sh6 (um f7 zu verteidigen)
7. Lxf7 Sxf7
8. Sxf7 Dxf7
9. Dxb7 (schön kombiniert, nur leider war Aljechin noch in seinem Büchlein.) Kd7!
10. Dxa1 Dc4 (mit Mattdrohung)
11. f3 Lxf3
12. gxf3 Sd4!
13. d3 (lenkt die Dame von der c-Linie, da auf 13. cxd4 der Läufer c1 fällt.) Dxd3
14. cxd4 Le7
15. Dxh8 Lh4# 0-1
 

Morphy - Herzog von Braunschweig

Ohne Worte
Legall.gif
​1. e4 e5
2. Sf3 d6
3. d4 Lg4
4. Lc4 Sf6
5. dxe4 Lxf3
6. Dxf3 dxe5
7. Db3 De7
8. Sc3 c6
9. Lg5 b5
10. Sxb5 cxb5
11. Lxb5+ Sd7
12. 0-0-0 Td8
13. Txd7 Txd7
14. Td1 De6
15. Lxd7+ Sxd7 (und Weiss setzt in zwei Zügen matt, finde heraus wie.)

Traxlers Unsterbliche

Traxlers Unsterbliche
Auch wenn der tschechische Schachspieler Karel Traxler über keine Meisterstärke verfügte, verdanken wir ihm ein paar der schönsten taktischen Varianten und Partien. Hier zerlegt er den österreichischen Schachkomponisten J. Reinisch gleich derart in seine Einzelteile, dass man meinen könnte, Reinisch hätte die Schachregeln erst kurz vor dieser Partie erlernt. Diese Partie wurde 1890 gespielt und ist sogleich die Premiere von Traxlers unglaublicher Heimvariante.
Traxler.gif
1. e4 e5
2. Sf3 Sc6
3. Lc4 Sf6
4. Sg5 Lc5!?
5. Sxg7 Lxf2+
6. Ke2 (Reinisch traute sich nicht, den Läufer zu nehmen.) Sd4+
7. Kd3 b5!
8. Lb3 Sxe4 (Ein kaltblütiges Damenopfer, das ans Seekadettenmatt erinnert.)
9. Sxd8 Sc5+
10. Kc3 Se2+
11. Dxe2 Ld4+
12. Kb4 a5+
13. Kxb5 La6+
14. Kxa5 Ld3+ (Die Dame zu nehmen, ist gar nicht notwendig.)
15. Kb4 Sa6+
16. Ka4 Sb4+
17. Kxb4 c5#